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NZ/HA/BAY/BAY1 - Sa 11.02.2006 REGION-BAYERN SERIE {JUGEND FORSCHT}

Mit Fluoreszenz-Shampoo zu »Jugend forscht«
Haare waschen, trocknen - und strahlen

Am Wettbewerb »Jugend forscht« nehmen dieses Jahr bundesweit 9603 Jungforscher teil. Wer beim Finale dabei sein will, muss zu Gewinnern der Regional- und Landesentscheidungen zählen. 155 mittelfränkische Jugendliche stellen sich beim Regionalwettbewerb am 22. Februar der Jury. Die NZ begleitet den Wettbewerb und stellt in loser Folge einige Projekte vor.

Von Ella Schindler

ERLANGEN - Ob er mit seiner Facharbeit die Jury bei »Jugend forscht« überzeugen kann, weiß Martin Lijewski nicht. Doch bei Mädchen hat der Schüler des Ohm-Gymnasiums in Erlangen damit auf jeden Fall punkten können: »Dass ich mich mit der Entwicklung eines besonderen Haarshampoos befasste, kam bei weiblicher Seite gut an.«

JugendforschtAuch seine Chemielehrerin, Sonja Dürr, lobt ihn: »Er hat sich sehr engagiert. Und es kam dabei etwas raus.«Das Ergebnis kann sich wörtlich sehen lassen: Nach einer 15-minütigen Shampoo-Anwendung wirkt das Haar rot getönt, unter der UV-Licht-Lampe - phosphorisiert.

»In der Disco bei Schwarzlicht würden dann die Haare richtig rot leuchten«, sagt Martin. Auch in der Faschingszeit könne das Shampoo zum Einsatz kommen. Und wenn man sich nicht zum dauerhaften Blickfang für die Umgebung machen will? Kein Problem, erklärt der 19-Jährige: »Nach einem Haarwaschen ist alles wieder weg.«

Alles bereits getestet - an den Haarlocken seiner Mutter, seines Hundes und an seinen eigenen. »Ich habe es da abgeschnitten, wo man es nicht so sieht«, sagt Martin und zeigt die Stelle in seinem schulterlangen Haar hinter dem rechten Ohr. Bis jetzt hat sich keiner bereit erklärt, sich mit dem Produkt die Haare zu waschen. Man müsse die Shampoo-Wirkung weiter aufwändig untersuchen, um alle Bedenken aus dem Weg zu räumen - in der Schule nicht umsetzbar. »Aber eigentlich kann beim Haarwaschen nichts schief laufen«, zeigt sich Martin überzeugt. Schließlich habe er nur Bioprodukte für sein Shampoo genommen.

Aus neun Stoffen setzt sich das Shampoo zusammen. Der spektakulärste von allen heißt Rhodamin B und ist für die Farb- und Leuchtwirkung verantwortlich. »Es ist erstaunlich, wie extrem er leuchtet, schon bei einer geringen Menge.«

Dabei verwendete der Schüler Rhodamin B nicht in seiner reinen Form - als Pulver -, sondern in einer 0,01-prozentigen Lösung. Nach diesem fluoreszierenden Farbstoff musste der Schüler allerdings lange suchen: »Das Feld war riesig. Ich wusste nicht, wo ich anfangen soll.«

Was bei Schafen geht,geht auch bei Menschen

Zufällig ist er im Internet auf eine Produktbeschreibung gestoßen, die die Verwendung von Rhodamin B für die Markierung der Schafe erläuterte. »Ich dachte mir, wenn es bei Wolle geht, müsste es auch für Haare passen.«

Dann musste der Schüler die richtige Dosierung finden. »Das war Neuland für mich«, beschreibt der Gymnasiast seine zweite Herausforderung auf dem Weg zum Fluoreszenz-Shampoo. Doch bereits beim zweiten Versuch im November letzten Jahres hatte der junge Mann Erfolg.

In einer Plastikflasche hebt Martin die cremige Masse auf. Sie ist pink und riecht nach Melisse. Es sind 40 Milliliter. Für sie verbrachte der Erlanger »unzählige Stunden« im schulischen Chemielabor, bei mehreren Erlanger Friseursalons, mit Büchern und auch vor den Regalen mit Pflegeprodukten in Drogerien.

»Aufwändig war mein Projekt schon«, so sein Fazit. Abschreckend wirkte die Arbeit auf den Abiturienten nicht. Ganz im Gegenteil: »Sie hat mich noch mehr an die Chemie gebunden. Es ist erstaunlich, wie viel man in der Naturwissenschaft ausprobieren kann. Ich werde Chemie studieren.«

Keine optische Täuschung, nur Shampoo von Martin Lijewski: Bei Schwarzlicht wirkt eine Haarlocke, die mit dem Pflegeprodukt gewaschen wurde, wie phosphorisiert. Foto: Gerullis

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