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SchmidtBesucher am Ohm

Renate Schmidt
Eine Ministerin zu Gast

Kaum hatte das Schuljahr 2004/2005 begonnen, hatte schon die hohe Politik ihren Auftritt bei uns am Ohm: Renate Schmidt, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, stellte sich 90 nie langweilige Minuten den Fragen und Kommentaren unserer Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen. Die Erlanger Nachrichten titelten am nächsten Tag: „Im Plauderton mit Schülern Tacheles geredet". Dem Moderator der Gesprächsrunde im großen Musiksaal, „Genossen" Richard Auer, fuhr sie gleich in die Parade, als er ein paar einleitende Worte zu ihrer politischen und persönlichen Vita anbringen wollte. Sie stellte sich der Einfachheit halber selbst vor mit der kleinen Spitze, die den weit gespannten Namen ihres Ressorts eingrenzte: „...also nicht für Männer zwischen 18 und 55", sei sie zuständig. Zu Fragen lud sie die Schüler ein mit dem frotzelnden Bonmot: „Ich beantworte alles außer Fragen zu meinem Gewicht und meinem Liebesleben."

Dann pries sie so beredt wie engagiert und argumentativ überzeugend die „Renaissance" der Familie, indem sie immer wieder ihre eigenen positiven familiären Erfahrungen beschwor. Eine Drei-Generationen-Familie wie bei „mir zu Hause zu Weihnachten" sei „durch nichts zu ersetzen".

Das Land mit der höchsten Kinderlosigkeit sei (nicht) überraschenderweise Schlusslicht bei Kinderbetreuungsangeboten und Ganztagessschulen. Ein gravierendes Manko, das es zu beheben gelte. Unsere Sozialsysteme krankten nicht zuletzt daran - gerade, was unsere langfristige Zukunft in Deutschland betreffe.

Ihr vielfach geäußertes politisches Anliegen sei: der Ausbau von Betreuungsstätten für Kinder - dazu gehöre der durch 4 Milliarden Euro Bundesmittel massiv geförderte Ausbau des Ganztagesschulkonzepts (IZBB) -, damit Familie und Beruf, insbesondere für Frauen, „flächendeckend“ vereinbar werden.

Die vielen Meldungen aus dem Publikum zeugten von heftigem politischen Interesse und lebendiger Diskussionskultur.

Ihr sarkastisches politisches Vermächtnis kritisiert die kalte „Singularisierung" der Gesellschaft: „Wenn Sie einmal alt werden, wird Sie Ihr Aktiendepot nicht pflegen, wenn Sie Ansprache brauchen, wird dies nicht durch Immobilienbesitz ermöglicht. Was Sie brauchen, sind Kinder und Enkel!"

R. Auer

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